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Definition

Rechnungslegung, dieses Wort hast du sicher schon einmal gehört. Doch was bedeutet es? Die Rechnungslegung ist die Erstellung und Veröffentlichung deines Finanzberichts, also deines Jahresabschlusses. Du kannst ihn selbst veröffentlichen oder einen Dritten, wie z. B. einen Steuerberater, damit beauftragen. Doch warum musst du deinen Jahresabschluss offenlegen? Ganz einfach, damit deine Kunden, Lieferanten und Anteilseigner aussagekräftige Informationen über dein Unternehmen erhalten. Davon können auch deine Konditionen bei z. B. Lieferanten abhängen. Gleichzeitig werden deine finanziellen Mittel transparent gemacht. Für die Berechnung deiner Unternehmenssteuern ist die Rechnungslegung ebenfalls entscheidend.

Rechnungslegungsvorschriften & Rechnungslegungspflicht

In welchem Umfang du deine Rechnungslegung führen musst, wird von deiner Unternehmensgröße und deiner Rechtsform bestimmt. Die Rechnungslegung unterliegt jedoch auch bestimmten Rechnungslegungsvorschriften. In Deutschland regelt das Handelsgesetzbuch (HGB) die handelsrechtliche Rechnungslegung. Auf internationaler Ebene gelten die IFRS (International Financial Reporting Standards).

Wie der Name schon sagt, handelt es sich bei den Rechnungslegungsstandards um nationale und internationale Regeln zu den einzelnen Bereichen des Rechnungswesens. Deine Buchführung und dein Jahresabschluss werden so durch gesetzliche Vorgaben vereinheitlicht. Damit werden die Informationen über deine Unternehmenslage und die Entwicklung deines Unternehmens genauso transparent, nachprüfbar und vergleichbar gemacht, wie die Verwendung deiner finanziellen Mittel.

Die Geschichte der Rechnungslegungsvorschriften

Bereits im alten Ägypten, also bereits vor 5.000 Jahren, gab es Rechnungslegungsstandards. Mit ihrer Hilfe organisierten Kaufleute ihre Geschäfte. Dazu machten sie Vermögensaufstellungen, führten Rechnungsbücher und Konten. Bei den alten Römern waren Bankiers zur Rechnungslegung verpflichtet. Die heutige doppelte Buchführung, also die Aufzeichnung von Einnahmen und Ausgaben, kommt aus dem Italien des 15. Jahrhunderts. Die Fugger z. B. sorgten dann für die europaweite Ausbreitung.

Im Jahr 1861 wurde die Buchführungspflicht durch das Allgemeine Deutsche Handelsgesetzbuch, heute HGB, etabliert. Als Folge der Weltwirtschaftskrise zum Ende der 1920er und im Verlauf der 1930er Jahre wurden haftungsbeschränkte Aktiengesellschaften und Unternehmen dazu verpflichtet, ihre Abschlüsse offenzulegen. Das diente dem Schutz der Gläubiger. Ein weiterer Grund für die Publikationspflicht war die Globalisierung der Kapitalmärkte. Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts wurde die Rechnungslegung von den einzelnen Staaten geregelt. Doch die Unterschiede in den einzelnen nationalen Rechnungslegungsvorschriften waren für international ausgerichtete Unternehmen eine Wachstumsbremse. Deutsche Konzerne mit internationaler Ausrichtung stellten deshalb bereits in den 1990er Jahren neben dem HGB-Abschluss freiwillig einen Abschluss nach US-GAAP auf. Dieser amerikanische Rechnungslegungsstandard ist weltweit anerkannt. Alternativ kamen auch bereits die IFRS zum Einsatz.

Deutschland kam seinen Unternehmen mit dem Kapitalaufnahmeerleichterungsgesetz (KapAEG) 1998 entgegen. Kapitalmarktorientierte Unternehmen konnten den HGB-Konzernabschluss durch einen befreienden Konzernabschluss nach internationalen Standards ersetzen. Im Jahr 2002 wurde dieses Gesetz durch die IAS-Verordnung ersetzt. Kapitalmarktorientierte Mutterunternehmen, die ihren Sitz in der EU haben, sind nun, seit dem 01. Januar 2005 verpflichtet, nach IFRS zu bilanzieren. Die Mitgliedsstaaten können jedoch selbst entscheiden, ob sie den Anwendungsbereich der IFRS auch auf die Bilanzen nicht börsennotierter Konzerne ausweiten. Die übrigen Kaufleute, die bilanzierungspflichtig sind, müssen sich auch weiterhin an die nationalen Rechnungslegungsvorschriften halten. Seit dem 01. Januar 2003 haben nicht börsennotierte Unternehmen aber die Wahl zwischen dem HGB und den IFRS.

Rechnungslegungsvorschriften in Deutschland

In Deutschland ist die rechtliche Grundlage für das Rechnungswesen und die Erstellung eines Jahresabschlusses das Handelsgesetzbuch, kurz HGB.

  • 238 Abs. 1 HGB legt fest, dass jeder Kaufmann verpflichtet ist, seine Handelsgeschäfte und die Lage seines Vermögens nach den GoB (Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung) ersichtlich zu machen.

Die deutschen Rechnungslegungsstandards, kurz DRS, sind dann zu beachten, wenn es sich bei dem Unternehmen um ein kapitalmarktorientiertes Mutterunternehmen, also einen Konzern, handelt. Dieser muss nach § 290 HGB verpflichtet sein, einen Konzernabschluss aufzustellen und nach § 11 PublG zur Rechnungslegung. Die DRS wurden vom deutschen Gesetzgeber geschaffen, um Regelungslücken zu füllen. Sie beinhalten genaue Vorgaben darüber, wie die Konzernrechnungslegung zu erfolgen hat. Die Alternative für die Konzerne ist, den Konzernabschluss nach IFRS zu erstellen. Der Konzernabschluss nach IFRS ersetzt so den Konzernabschluss nach HGB und DRS. Ergänzende handelsrechtliche Vorschriften müssen jedoch beachtet werden.

Zusammengefasst kann man also sagen, dass alle in Deutschland ansässigen Unternehmen, die einen Jahresabschluss erstellen müssen, nach HGB und DRS bilanzieren. Börsennotierte Unternehmen erstellen ihren Jahresabschluss zusätzlich nach den IFRS, also den internationalen Vorgaben. Unternehmen, die nicht kapitalmarktorientiert sind, besitzen für ihre Konzernabschlüsse ein IFRS-Wahlrecht.

Die  Verfahren der Rechnungslegung

Um deine Unternehmenszahlen zu sammeln, zusammenzufassen und zu präsentieren gibt es drei Verfahren:

  • die Kameralistik
  • die Einnahme-Überschuss-Rechnung
  • die doppelte Buchführung.

Solltest Du bereits ein größeres Unternehmen besitzen oder sogar einen Konzern, dann wäre die doppelte Buchführung das Verfahren deiner Wahl. Große Vereine und Stiftungen verwenden ebenfalls die doppelte Buchführung. Kleine Vereine und Unternehmen wählen die Einnahme-Überschuss-Rechnung. Körperschaften des öffentlichen Rechts verwenden für die Rechnungslegung die Kameralistik. Für dich wichtig zu wissen, zu jedem der drei Verfahren gibt es zahlreiche Varianten.

Der Unterschied zwischen der internen und externen Rechnungslegung

Das Rechnungswesen wird in zwei Bereiche unterteilt:

  • das interne Rechnungswesen
  • das externe Rechnungswesen.

Beim internen Rechnungswesen handelt es sich um das Management Accounting. Das Financial Accounting ist das externe Rechnungswesen. Das interne Rechnungswesen ist vor allem für die Geschäftsführung bestimmt. Es ist Entscheidungsgrundlage, um Unternehmensprozesse bewerten zu können. Das externe Rechnungswesen richtet sich an Außenstehende, wie z. B. Aktionäre. Es unterliegt Rechtsvorschriften und Informationspflichten. Das interne Rechnungswesen darf frei erfasst und bewertet werden, aber das externe Rechnungswesen unterliegt den gesetzlichen Vorgaben des HGB und des Steuerrechts. Das interne Rechnungswesen erfasst die Gegenwart und ist zukunftsorientiert. Im Gegensatz dazu ist das externe Rechnungswesen auf die Vergangenheit ausgerichtet, denn der Jahresabschluss gibt Auskunft über das abgeschlossene vergangene Jahr.

Rechnungslegung nach HGB und IFRS

Die führende Bilanzierungsnorm aller deutschen Unternehmen für Jahresabschlüsse ist das HGB und ergänzend die DRS. An die internationalen Vorgaben der IFRS müssen sich kapitalmarktorientierte Unternehmen und Unternehmensgruppen halten. Nationales Recht wurde die IAS-Verordnung 2004 im Rahmen des Bilanzrechtsreformgesetzes. Kapitalmarktorientierte Unternehmen und Unternehmensgruppen sind verpflichtet die Konzernrechnungslegung gemäß den IFRS zu erstellen. Nicht kapitalmarktorientierte Mutterunternehmen und Unternehmensgruppen habe ein Wahlrecht. Sie können den Konzernabschluss nach dem internationalen Standard aufstellen, müssen aber nicht. Wird der Konzernabschluss nach den IFRS erstellt, ist das Unternehmen von der Pflicht zur Erstellung nach HGB und DRS befreit. Die Verpflichtung zum handelsrechtlichen Jahresabschluss gemäß dem HGB bleibt allerdings bestehen. Mit dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz wurden die handelsrechtlichen Bilanzierungsregeln jedoch den Bilanzierungsregeln des IFRS angeglichen.

Vom International Accounting Standards Board werden die International Financial Reporting Standards herausgegeben. Es handelt sich dabei um internationale Rechnungslegungsgrundsätze für Unternehmen. Ziel dieser Rechnungslegungsgrundsätze ist es, das Rechnungswesen weitestgehend zu harmonisieren.

Das Regelwerk besteht aus drei Teilen:

  • Framework: Es bildet das Rahmenkonzept, also die theoretischen Grundlagen des Regelwerks. Das Framework beschreibt die Ziele und die Grundlagen der internationalen Vorgaben sowie die qualitativen Anforderungen an den IFRS-Jahresabschluss. Außerdem enthält das Framework Definitionen wichtiger Begriffe wie Aktiva, Passiva, Erträge oder Aufwendungen.
  • Internationale Standards (IFRS/IAS): Alle Bilanzierungs- und Bewertungsvorgaben werden in Form von einzelnen Standards beschrieben. Diese beinhalten sowohl die IFRS als auch die IAS.
  • Interpretationen: Der dritte Teil des Regelwerks beinhaltet die offiziellen Interpretationen der einzelnen Standards. Dadurch sollen die Auslegungsmöglichkeiten der internationalen Vorgaben vereinheitlicht werden. Sie werden vom International Financial Reporting Standards Interpretations Committee (IFRIC) veröffentlicht.

Im Konfliktfall gilt bei der Anwendung der IFRS, dass die IFRS-Standards und die dazugehörigen Interpretationen eine höhere Verbindlichkeit besitzen, als die allgemein gehaltenen Regelungen des Frameworks. Das bedeutet, dass das Framework kein Standard ist.

Seit dem Jahr 2005 müssen alle kapitalmarktorientierten Mutterunternehmen, die ihren Sitz in Europa haben, verpflichtend ihre Konzernabschlüsse nach IFRS erstellen.

Wie führst du die Rechnungslegung durch?

So jetzt hast du sehr viel theoretisches Wissen, aber wie sieht das in der Praxis aus? Basis für jede Rechnungslegung ist das Verbuchen aller Geschäftsvorfälle. Grundsätzlich verwendet man dafür die doppelte Buchführung. Dabei buchst du jeden Beleg im Soll und im Haben. Am Jahresende, wenn du alle Geschäftsvorfälle des Jahres erfasst hast, kannst du den Jahresabschluss erstellen. In ihm finden sich alle Geschäftsvorfälle wieder. Der Jahresabschluss besteht aus zwei Teilen, der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung. In der Gewinn- und Verlustrechnung stehen sich Erträge und Aufwände gegenüber. Der Saldo ergibt einen Gewinn oder einen Verlust, der in der Bilanz Eingang findet. Nachdem die Gewinn- und Verlustrechnung erstellt ist, wird die Bilanz erstellt. Hier führst du deine Aktiva (Anlagevermögen, Geldvermögen, Forderungen und Rechnungsabgrenzungen) auf. Den Aktiva stehen die Passiva (Eigenkapital, Rückstellungen, Darlehen und Verbindlichkeiten) gegenüber.

Die Aufgaben der Rechnungslegung

Grundsätzlich hat die Rechnungslegung drei Aufgaben:

    • die Dokumentation aller Geschäftsvorfälle
    • die Informationsvermittlung an das Management, an die Anteilseignern und Behörden
    • als Bemessungsgrundlage für Ausschüttungen

Der Umfang der Rechnungslegung

Alle Unternehmen werden entsprechend der Höhe ihrer Bilanzsumme, ihrer Umsatzerlöse und der Anzahl der Arbeitnehmer in verschiedene Größenklassen eingeteilt. Davon hängt der Umfang der Rechnungslegung ab. Kleine Kapitalgesellschaften z. B. müssen zwar die Bilanz offenlegen, die aber keine Gewinn- und Verlustrechnung enthalten muss. Für diese Unternehmen besteht auch keine Prüfungspflicht. Große Unternehmen und Kapitalgesellschaften haben eine weitaus umfangreichere Rechnungslegung zu führen. Diese Unternehmen müssen die Bilanz, den Jahresabschluss mit Anhang, den dazugehörigen Lagebericht, den Bericht für den Aufsichtsrat und den Gewinnverwendungsvorschlag offenlegen. Darüber hinaus muss der Jahresabschluss von einem Wirtschaftsprüfer geprüft werden.

Der Jahresabschluss 

Der Jahresabschluss ist die Zusammenfassung aller Informationen über die wirtschaftliche Lage deines Unternehmens. Für Kleinunternehmer ist der Jahresabschluss die Einnahme-Überschuss-Rechnung. Der Jahresabschluss gibt einen Überblick über deine finanzielle Situation, dein Vermögen und deine Schulden. Der Jahresabschluss ist auch Grundlage für Kreditentscheidungen bei Banken. Diese analysieren den Jahresabschluss und treffen dann entsprechende Entscheidungen.

Wie bereits erwähnt ist der Jahresabschluss die rechnerische Zusammenfassung eines Geschäftsjahres. Nach der Prüfung durch einen Wirtschaftsprüfer wird er der Öffentlichkeit vorgelegt.

Der Jahresabschluss ist aber auch wichtig für Managemententscheidungen, die die Zukunft betreffen. Von der aktuellen Situation des Unternehmens ausgehend, kann das Unternehmen selbst, aber auch externe Interessengruppen wie Anteilseigner oder Banken strategische Entscheidungen für die Zukunft treffen.

Unser Tipp:

Wenn du eine Buchhaltungssoftware nutzt, werden alle Geschäftsvorfälle automatisch dokumentiert und du brauchst dir keine Sorgen um eine korrekte Rechnungslegung machen.

Fazit

Rechnungslegung ist kein Buch mit sieben Siegeln, sondern notwendig, um dein Unternehmen bewerten und beurteilen zu können. Anhand der Rechnungslegung können wichtige strategische Entscheidungen getroffen werden, die dein Unternehmen lange leben lassen. Sie verdient also größtmögliche Aufmerksamkeit.