Bilanzanalyse

Die Aufgabe der Bilanzanalyse ist es, den Jahresabschluss zu lesen, zu verstehen und die Daten entsprechend sinnvoll aufbereitet untereinander und im zeitlichen Verlauf vergleichbar zu machen.

Bilanzanalyse – Definition

Bei der Bilanzanalyse werden alle Bestandteile des Jahresabschlusses inhaltlich geprüft, also neben der Bilanz auch die GuV, der Lagebericht und der Anhang.

Die Daten bilden die Grundlage zur Ermittlung von Kennzahlen, die dazu beitragen, den Jahresabschluss verständlich aufzubereiten. Anhand der ermittelten Kennzahlen kann das Unternehmen seine Situation analysieren  und die Informationen als Entscheidungsgrundlage für künftige Vorgehensweisen des Unternehmens nutzen.

Zweck und Ziele der Bilanzanalyse

Die Bilanzanalyse kann das Unternehmen einerseits intern durchführen für das Unternehmen selbst. Oder auch extern, anhand der Daten, die andere Unternehmen veröffentlichen müssen. Somit können die Ziele der Bilanzanalyse sein, das eigene Unternehmen detailliert zu untersuchen oder auch mehr über andere Unternehmen, beispielsweise im Zuge einer Konkurrenzanalyse, zu erfahren.

Gleich ob intern oder extern, der Zweck der Analyse ist, die Bestandteile des Jahresabschlusses einfach verständlich aufzubereiten und Indikatoren in Form von Kennzahlen zu ermitteln, die den Status des Unternehmens auf einen Blick zeigen.

Kennzahlen bieten in weiterer Folge einen schnellen Überblick und eignen sich ideal, um deren Entwicklung im zeitlichen Verlauf zu prüfen. Werden bestimmte Kennzahlen dann in Relation zu einander gesetzt, lässt sich daraus die Entwicklung des Unternehmens ablesen. Dieses Wissen kann zudem als Entscheidungsgrundlage für Strategieauswahl und sonstige unternehmerische Aktivitäten dienen.

Arten der Bilanzanalyse

Musst du einen Jahresabschluss analysieren, stehen dir unterschiedliche Methoden zu Verfügung.

1. Erfolgswirtschaftliche Bilanzanalyse

Die erfolgswirtschaftliche Analyse versucht den Erfolg des Unternehmens frei von Einflüssen darzustellen, die steuer- oder bilanzpolitischer Natur sind. Das heißt, es wird versucht möglichst originalgetreu zu prüfen, welcher Erfolg vorhandene war. Das passiert durch die Ergebnisanalyse, bei der geprüft wird, wie der Jahresüberschuss entstanden ist (ordentliches Betriebsergebnis, außerordentliches Ergebnis, Finanzergebnis) und durch die Analyse des Cashflows.

2. Horizontale Bilanzanalyse

Bei der horizontalen Analyse der Bilanz geht es darum die Mittelherkunft und die Kapitalverwendung zu betrachten und in Relation zueinander zu setzen. Langfristiges Vermögen soll langfristig finanziert sein, lautet hier die goldene Regel.

Einfach ausgedrückt: Wenn du eine Maschine kaufst, die 20 Jahre verwendet wird, solltest du das nicht mit einem Kredit tun, den du in drei Jahren zurückzahlen musst.

3. Vertikale Bilanzanalyse

Bei der vertikalen Analyse werden die Positionen innerhalb der Aktiva und Passiva betrachtet, daher auch die Bezeichnung als „vertikal“. Die vertikale Analyse zeigt, wie das Vermögen des Unternehmens strukturiert ist. Eine häufig genutzte Kennzahl ist hier beispielsweise die Eigenkapitalquote.

4. Interne Bilanzanalyse

Die interne Analyse der Bilanz zielt auf die  realistische, unbeschönigte Dartsellung der Unternehmenssituation. Die Daten werden typischerweise anschließend für strategisches Controlling und strategische Planung genutzt.

5. Externe Bilanzanalyse

Die externe Bilanzanalyse muss anhand jener Daten erstellt werden, die öffentlich verfügbar sind. Je nach Größe des Unternehmens können das also nur sehr wenige Daten sein, oder ganze Jahresabschlüsse von Konzernen.

6. Qualitative Bilanzanalyse

Die qualitative Bilanzanalyse bezieht neben den reinen Zahlen auch weitere Informationen ein. Sie basiert somit nicht nur auf den Fakten des Jahresabschlusses, sondern berücksichtigt auch soft Facts und Hintergrundinformationen.

7. Strategische Bilanzanalyse

Wenn du deine Bilanzanalyse über Jahre hinweg strukturiert aufbaust, kannst du daraus wertvolle Informationen gewinnen, die auch als Entscheidungsgrundlage für die Auswahl und Weiterentwicklung von Strategien dienen können.

Bilanzanalyse in vier Schritten

Wie funktioniert nun die Bilanzanalyse genau? Dazu sind vier relativ einfache Schritte nötig:

  • Bilanz lesen
  • Zeitvergleich anstellen
  • Umstellung und Umgliederung
  • Bildung von Kennzahlen

Konkret bedeutet das, dass du dir in einem ersten Schritt die nötigen Unterlagen besorgen musst. Diese werden dann durchgearbeitet, also vollständig gelesen und auf Auffälligkeiten geprüft. In weiterer Folge ist es möglich, einen Zeitvergleich, also einen Vergleich zu den Vorjahren, anzustellen.

Unter der Umgliederung und Umstellung versteht sich, dass einzelne Positionen für die Analyse womöglich nicht oder anders berücksichtigt werden sollen. So könnten etwa einmalige Sondereffekte aus der Analyse entfernt werden oder beispielsweise nur die Erlöse aus operativer Geschäftstätigkeit berücksichtigt werden. Diese Aufbereitung ist somit individuell davon abhängig, was genau du zu welchem Zweck prüfen möchtest.

Schlussendlich wird mit dem aufbereiteten Datenmaterial weitergearbeitet. Die Berechnung von Kennzahlen ist der letzte Schritt, die Resultate können dann erneut einem Zeitvergleich dienen.

Kennzahlen der Bilanzanalyse

Welche Kennzahlen solltest du nun für deine Bilanzanalyse heranziehen? Grundsätzlich hängt das stark von der Art des Unternehmens ab. Deshalb kann immer ein Branchenvergleich hilfreich sein.

Als kleines Softwareunternehmen ohne Fremdkapital, spielt die Eigenkapitalquote keine Rolle, da sie offensichtlich ist, während in anderen Branchen, in denen viel Fremdkapital im Spiel ist, etwa diese Quote besonders wichtig sein kann.

Einige häufig berechnete Kennzahlen stellen wir dir nun überblicksartig vor.

1. Anlagendeckungsgrad

Langfristiges Vermögen soll mit langfristigem Kapital finanziert werden, lautet die goldene Regel.

Formel: (Eigenkapital / Anlagevermögen) x 100

2. Eigenkapitalquote

Die Eigenkapitalquote gibt an, wie hoch der Anteil des Eigenkapitals im Verhältnis zum Gesamtkapital ist. Je nach Branche ist ein sehr unterschiedlicher Wert üblich.

Formel: (Eigenkapital / Gesamtkapital) x 100

3. Eigenkapitalrentabilität

Die Eigenkapitalrentabilität zeigt, welche Rentabilität auf das eingesetzte Eigenkapital erzielt wird. Die EK-Rentabilität kannst du gegebenenfalls durch die Aufnahme von Fremdkapital steigern (Leverage Effekt).

Formel: Gewinn / Eigenkapital

4. Umsatzrentabilität

Die Umsatzrentabilität ist gewissermaßen die Ertragskraft des Unternehmens in Relation zum erzielten Umsatz. Sie gibt Aufschluss über die Höhe der Margen.

Formel: Gewinn / Umsatz

5. Cashflow

Der Cashflow zeigt die realen Geldflüsse abseits der eigentlichen Buchungen.

6. Liquidität

Unternehmen müssen darauf achten, dass sie ausreichend liquide sind. Gleichzeitig dürfen sie nicht zu viel Kapital ungenutzt auf Bankkonten haben, da Investoren sonst annehmen könnten, dass das Unternehmen das Kapital nicht in weiteres Wachstum investieren kann.

Wenn du weitere Kennzahlen berechnen möchtest, solltest du diese je nach dem auswählen, in welcher Branche du tätig bist und welches Ziel du mit der Analyse verfolgst.

Kennzahlenorientierte Bilanzanalyse

Viele Kennzahlen kannst du nicht pauschal bewerten, da es je nach Branche große Wertunterschiede gibt. Immer wichtig ist der Anlagendeckungsgrad, also die Regel, dass du langfristiges Vermögen auch langfristig finanzieren musst. Denn das kann jedes Unternehmen, unabhängig von seiner Größe, sagen.

Andere Kennzahlen können vor allem im zeitlichen Verlauf sehr aufschlussreich sein. Geht etwa die Umsatzrentabilität über die Jahre stetig zurück, so zeigt sich, dass die Marge schrumpft. Tritt das bei dir ein, muss du entsprechende Gegenmaßnahmen treffen. Etwa in Form von Kosteneinsparungen, Umsatzsteigerungen oder dem Verkauf neuer, anderer Produkte mit besseren Margen-Potential.

Wichtig ist somit, dass du Kennzahlen gezielt auswählst und nicht einfach verschiedenste Berechnungen anstellst.

Für die Analyse deines Unternehmens musst du dir überlegen, was du wissen möchtest und wie du das Ergebnis für dich weiterverwenden kannst. Konkrete Maßnahmen sollten ableitbar sein, denn nur dann lohnt sich der Aufwand, die einzelnen Berechnungen anzustellen.

Bilanzanalysen mit Excel erstellen

Die Formeln zur Berechnung der einzelnen Kennzahlen sind sehr einfach. Dementsprechend kannst du alle Berechnungen auch per Excel vornehmen. Hierzu gibt es diverse kostenlose Vorlagen zum Download.

Schwieriger ist es meist, die entsprechenden Ausgangsdaten zu erhalten, zumindest wenn du eine externe Bilanzanalyse anstrebst und nicht dein eigenes Unternehmen prüfen willst.

Für deine Analyse in Excel solltest du außerdem sicherstellen, dass du die Daten gut aufbewahrst, denn besonders viel Aussagekraft haben die Kennzahlen dann, wenn du sie im zeitlichen Verlauf regelmäßig neu berechnest. Die Veränderungen der Ergebnisse werden spannende Rückschlüsse zulassen, wie du dein Unternehmen optimieren kannst!