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Rabatt

By 27. Dezember 2019 Keine Kommentare
Schnäppchenjäger lieben ihn, bei Verbraucherschützern erregt er dagegen öfters Unmut. Die Rede ist vom Rabatt, dem beliebten Preisnachlass, der aber manchmal doch nur eine Werbelüge ist. In diesem Beitrag erklären wir dir, welche Rabatte es gibt und welchen Zweck sie erfüllen.

Rabatt: Definition

Im Wirtschaftsleben wird unter einem Rabatt ein Nachlass auf den Grund- oder Listenpreis einer Ware oder einer Dienstleistung verstanden, der meist in Prozent angegeben wird.

Der Begriff geht auf das italienische Verb „rabbattere“ zurück, das wörtlich übersetzt „abziehen“ bedeutet.

Neben den Preisnachlässen gibt es auch sogenannte Naturalrabatte, dabei handelt es sich um Draufgaben in Form von Gütern oder Leistungen.

Welchen Zweck erfüllen Rabatte?

Was bewegt Unternehmen, die uns Rabatt gewähren? Die konkreten Motive hinter einem Preisnachlass können vielschichtig sein. Letztlich werden Rabatte von Unternehmen aber immer eingesetzt, um ihren Umsatz zu steigern und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Preisnachlässe dienen dabei insbesondere folgenden Zwecken:

  • Absatzförderung
  • Kundegewinnung und Kundenbindung
  • Verhaltenssteuerung (Lenkung)
  • Lagerräumung
  • Mängelausgleich („unechter“ Rabatt)

Im B2C Geschäft, also im Bereich zwischen Händlern und Verbrauchern, dienen Preisnachlässe oft dazu, die Nachfrage zu steigern. Den Kunden wird durch Rabattaktionen oder durch Rabattgutscheine und Rabattcodes das Gefühl vermittelt, ein Schnäppchen zu machen, was die Kauflust fördert. Neukundenrabatte dienen darüber hinaus dem Zweck, das Produkt für Konsumenten interessant zu machen, die es bisher gar nicht oder lieber bei der Konkurrenz nachfragen.

Wenn Unternehmer ihren gewerblichen Kunden Mengenrabatte einräumen, erfolgt das oft in der Absicht, diese Abnehmer an den eigenen Betrieb zu binden und zu motivieren, alle Bestellungen im eigenen Haus zu tätigen, statt diese zu streuen. Auch im Einzelhandel versuchen manche Ketten Kunden davon abzuhalten, bei der Konkurrenz zu shoppen, in dem sie „Treuepunkte“ verteilen oder andere, vergleichbare Instrumente einsetzen.

Manchmal soll durch Lenkungsrabatte auch das Kundenverhalten gesteuert werden. Eines der bekanntesten Beispiel dafür ist der Schadenfreiheitsrabatt der Kfz-Versicherer. Dieser Preisnachlass soll bei den Kunden Anreize setzen, vorsichtig zu fahren und kleinere Schäden aus der eigenen Tasche zu bezahlen. Das Prinzip findet mittlerweile auch bei der Krankenversicherung oder der Rechtsschutzversicherung Anwendung.

Eine ganz andere Art der Lenkung verfolgen dagegen Preisnachlässe, die nur gewährt werden, wenn der Abnehmer die Leistung zu einem bestimmten Zeitpunkt bestellt. Typisch sind hier Frühbucherrabatte, die die Kunden dazu bewegen, ihre Urlaubspräferenzen lange im Voraus offenzulegen. Das erleichtert den Reiseveranstaltern die Planung und Beschaffung ihrer Kontingente. Die Unternehmen können so sehr viel wirtschaftlicher arbeiten und geben einen Teil ihrer Rationalisierungsgewinne in Form von Rabatten an die Kunden zurück.

Für saisonabhängige Güter werden Rabatte dagegen gewährt, um die Lager zu räumen und Platz für neue Waren zu schaffen. Im Textil-Einzelhandel war das lange Zeit die Aufgabe der Sommer- und Winterschlussverkäufe, die mittlerweile aber selbst aus der Mode gekommen sind.

Darüber hinaus verlangen Kunden auch oft einen Rabatt, wenn ein Produkt schadhaft ist. Juristisch handelt es sich hier aber nicht um einen echten Rabatt, der freiwillig gewährt wird, sondern um eine Kaufpreisminderung nach § 441 BGB, auf die der Käufer einen Anspruch hat.

Wie werden Rabatte unterschieden?

Rabatte lassen sich grundsätzlich nach drei Kriterien unterscheiden:

  • dem Grund der Vergabe,
  • den Begünstigten und
  • dem Zeitpunkt der Vergabe

Zu den Rabatten, die aus einem bestimmten Grund vergeben werden, zählen alle Preisnachlässe, die den Absatz steigern oder das Verhalten der Nachfrageseite steuern. Da nicht alle Kunden auf die gleiche Weise beeinflusst werden können oder sollen, gibt es Rabatte, die nur bestimmte Gruppen begünstigen. Hierzu zählen beispielsweise der Studentenrabat oder der Journalistenrabat.

Darüber hinaus werden Preisnachlässe, die direkt beim Kauf und solche, die erst im Nachhinein gewährt werden, differenziert. Letztere werden oft als Boni bezeichnet. Der zeitliche Aspekt hat auch Auswirkung darauf, wie Nachlässe buchhalterisch behandelt werden.

Welche Arten von Rabatten gibt es?

Die vorstehende Aufteilung lässt sich noch verfeinern und in einzelne Rabattarten untergliedern. Die wichtigsten haben wir für dich in der folgenden Tabelle zusammengestellt:

 

Rabattart Erläuterung
Mengenrabatt Der Mengenrabatt wird im B2B-Bereich gewährt, sobald der Kunde eine bestimmte Mengenschwelle erreicht; er soll so an den Lieferanten gebunden werden.
Umsatzbonus Der Umsatzbonus erfüllt den gleichen Zweck wie der Mengenrabatt; er wird aber im Nachhinein gewährt, wenn der Kunde innerhalb eines bestimmten Zeitraums, meistens eines Geschäftsjahres, eine bestimmte Umsatzschwelle überschreitet.
Skonto Beim Skonto handelt es sich um einen Nachlass, den Kunden erhalten, die entweder sofort bar oder beim Rechnungskauf innerhalb einer kurzen Frist bezahlen. Skonti sollen die Zahlungsmoral verbessern.
Treuerabatt Durch Treuerabatte versuchen insbesondere Einzelhändler ihre Kundinnen und Kunden an sich zu binden.
Aktionsrabatt Aktionsrabatte sollen ein Produkt punktuell bewerben und den Absatz fördern oder bei saisonalen Produkten für eine Leerung der Lager sorgen. Hotels und andere Dienstleister nutzen Aktionsrabatte außerdem für eine bessere Kapazitätsauslastung in der Nebensaison.
Funktionsrabatt Funktionsrabatte werden im B2B-Bereich gewährt, um den Käufer dafür zu entschädigen, dass er bestimmte Aufgaben (z.B. Abfüllen, Beschriften, Bewerben) übernimmt, die eigentlich den Hersteller bzw. Verkäufer treffen.
Wiederverkäuferrabatt Diese Preisnachlässe sorgen dafür, dass Zwischenhändler eine angemessene Gewinnmarge realisieren können.
Sonderrabatte Manchmal werden Rabatte aufgrund eines besonderen Ereignisses oder einer besonderen Stellung des Begünstigten gewährt. Beispiele dafür sind der Neueröffnungsrabatt, der Neukundenrabatt oder der Rabattfreibetrag für Betriebsangehörige.

Wie wird der Rabatt berechnet?

Aus Kundensicht ist die Rabattberechnung ganz einfach. Der Nachlass wird einfach vom Normalpreis abgezogen. Da weder die Ausgangspreise noch die Nachlässe immer glatt sind, kannst du dir auch einen Rabattrechner als App herunterladen. Diese Prozentrechner helfen dir beim shoppen schnell und leicht zu ermitteln, wie hoch die Preisreduktion denn nun genau ist.

Wer als Händler oder Dienstleister einen Rabatt anbieten will, muss diesen bei der Preiskalkulation berücksichtigen und berechnen. Wenn Produkte oder Leistungen nachträglich reduziert werden, darf der Rabatt nicht größer sein, als der zuvor einkalkulierte Gewinn, andernfalls wird ein Verlust generiert. Manchmal kann sich das aber dennoch lohnen, wenn so das Lager wieder frei wird oder die Produkte andernfalls völlig unverkäuflich sind.

Bei im Voraus eingeplanten Nachlässen, etwa bei Rabattaktionen oder Skonti, wird der Rabatt berechnet und auf den Verkaufspreis aufgeschlagen.

Es gilt dann folgende Formel: Zielpreis + Rabat = Angebotspreis

Beispiel:

Lisa Müller betreibt einen Online-Schuhhandel. Für die nächste Sommersaison hat sie besonders schicke italienische Sandalen zu einem Einstandspreis von 80 Euro pro Paar eingekauft. Sie möchte an jedem Paar 40 Euro verdienen. Um den Absatz zu fördern, plant sie außerdem eine Frühlingsaktion und will mit 20 Prozent Rabatt werben.

Die Kalkulation lautet also wie folgt:

Zielpreis = Einstandspreis (80 Euro) + Gewinnaufschlag (40 Euro) = 120 Euro

Zielpreis (120 Euro) + Rabat ( 120 : 80 x 20 = 30) = 150 Euro

Wie werden Preisnachlässe verbucht?

Sofort fällige Preisnachlässe (z.B. Skonti) werden beim Verkäufer direkt von den Umsatzerlösen abgesetzt. Der Käufer zieht diese von den Anschaffungs- und Herstellungskosten (AHK) bzw. dem Warenaufwand ab.

Anders verhält es sich bei den Preisnachlässen, die erst im Nachhinein, also meist zum Ende des Geschäftsjahres, gewährt werden.

Diese werden zunächst so verbucht, wie sie in Rechnung gestellt wurden. Nach erfolgter Gutschrift der Boni korrigiert der Verkäufer seine Umsatzerlöse und die Umsatzsteuer, der Käufer passt die AHK oder das betroffene Aufwandskonto und die Vorsteuer an.

Welche gesetzlichen Regelungen gilt es zu beachten?

In Deutschland waren Preisnachlässe aller Art, die Endverbrauchern gewährt wurden, lange Zeit stark reglementiert. Erst 2001 sind das Rabattgesetz und die Zugabeverordnung abgeschafft worden. Seither kann jeder Unternehmer grundsätzlich frei entscheiden, ob und welche Rabatte er seinen Kunden gewähren will.

Von diesem Grundsatz gibt es allerdings Ausnahmen, verboten sind insbesondere folgendes Vorgehensweisen:

  • Mondpreise
    Rabatte dürfen sich nicht auf Ausgangspreise beziehen, die viel zu hoch angesetzt und nie ernsthaft verlangt worden sind.
  • Irreführende Rabatte
    Von einer Irreführung wird insbesondere dann ausgegangen, wenn der herabgesetzte Preis nur für sehr kurze Zeit verlangt worden ist und der Rabattpreis eigentlich den Normalpreis darstellt.
  • Übertrieben anlockende Rabatte
    Ein übertriebenes Anlocken wir dann vermutet, wenn extrem hohe Rabatte offeriert werden oder eine Rabattaktion nur für extrem kurze Zeit gilt, um den Kunden unter Entscheidungsdruck zu setzen.

Vorsicht ist außerdem bei Koppelungsgeschäften geboten.

Diese allgemeinen Verbote stützen sich auf §§ 4 und 5 UWG. Darüber hinaus gelten in bestimmten Branchen oder für bestimmte Produkte spezialgesetzliche Regelungen. Dazu zählt zum Beispiel das Rabatt- und Zugabeverbot für Heilmittel nach § 7 Heilmittelwerbegesetz.

Fazit: Warum stehen Rabatte in der Kritik?

Verbraucherschützer stehen Rabatten vor allem deshalb skeptisch gegenüber, weil auf diese Weise oft „Schnäppchen“ vorgetäuscht werden, die gar keine sind und die Konsumenten so zu unnötigen oder unvorteilhaften Käufen animiert werden.

Volkswirte fürchten außerdem, dass marktstarke Unternehmen Preisnachlässe dazu nutzen könnten, kleinere Konkurrenten zu verdrängen. Langfristig würden Rabatte dann nicht zu niedrigeren, sondern zu höheren Preisen führen, weil die wenigen verbliebenen Unternehmen unter geringerem Wettbewerbsdruck stünden.

Rabatte haben also nicht nur ihre guten Seiten und ein „Supersonderangebot“ ist nicht immer ein lukratives Geschäft – zumindest nicht für den Verbraucher.