Lexikon

Fixkosten

By 27. Januar 2020 Keine Kommentare

Die Fixkosten sind der Teil der Gesamtkosten, der unabhängig vom Output anfällt, also nicht von der Produktionsmenge oder den erbrachten Leistungen bestimmt wird.

Wenn Fixkosten sich im Zeitablauf verändern, liegt das in aller Regel nicht an der nachgefragten Mengen, sondern an geänderten Marktpreisen für die entsprechenden Faktoren. Sofern bestimmte Kosten nur bis zum Erreichen der Kapazitätsgrenze fix sind und dann beträchtlich ansteigen, zum Beispiel weil eine neue Maschine angeschafft werden muss, um mehr Produkte herstellen zu können, werden diese als sprungfixe Kosten bezeichnet.

Fixkosten und variable Kosten – das ist der Unterschied

Fixe und variable Kosten bilden gemeinsam die Gesamtkosten. Variable Kosten schwanken, anders als Fixkosten, in Abhängigkeit von der Produktionsmenge.

Typische Beispiele für variable Kostensind:

  • Roh- Hilfs und Betriebsstoffe
  • Löhne (je nach Vertrag)
  • Energie für die Produktion
  • Transportleistungen

Die Menge an Wasser, Früchten, Zucker und Verpackungsmaterial, die die Limonadenherstellerin benötigt, verändert sich mit dem Output, also der Getränkemenge, die sie herstellt.

Das gilt auch für die Personalkosten der Beschäftigten, die einen Stundenlohn erhalten und abhängig von der tatsächlich geleisteten Arbeitszeit bezahlt werden.

Stellt das Unternehmen die Produktion ein, fallen keine variablen Kosten mehr an. Fixe Kosten belasten das Unternehmen dagegen weiterhin.

Beispiele für Fixkosten

Typische Beispiele für Fixkosten in Unternehmen sind

  • Abschreibungen auf Immobilien
  • Mieten und Pachten für Verwaltungs- und Produktionsgebäude
  • Abschreibungen auf Fahrzeuge und Maschinen
  • Leasingraten oder Mieten für Fahrzeuge und Maschinen
  • Personalkosten (außer Stundenlöhne bei variabler Arbeitszeit)
  • Lizenzen (z. B. für ERP-Systeme, sonstige Software, Markennutzung),
  • Versicherungen
  • Grundgebühren für Telekommunikation und Energieversorgung
  • Unterhaltskosten für Gebäude
  • Finanzierungskosten (z.B. Zinsaufwand für Fremdkapital)

Nehmen wir als Beispiel die Getränkeherstellerin Glückslimonaden GmbH, die zwei Produktionshallen mit jeweils drei Abfüllanlagen sowie ein Verwaltungsgebäude nutzt..

Die jährlichen Abschreibungen auf die Gebäude oder die monatliche Miete, sofern die genutzten Immobilien Dritten gehören, fallen völlig unabhängig davon an, wie viele Flaschen Limonade das Unternehmen pro Jahr herstellt.

Das gleiche gilt für die Beschäftigten mit festen Monatsgehältern oder für den Zinsaufwand der anfällt, wenn die Anschaffung der Abfüllanlagen durch einen Kredit finanziert wurde.

Fixkosten berechnen

Das Berechnen der Fixkosten ist sehr einfach, wenn ein Unternehmen seine Gesamtkosten und seine variablen Kosten kennt.

Dann gilt folgende Fixkosten-Formel

Fixkosten = Gesamtkosten -variable Kosten

Freiberufler und kleine Gewerbetreibende, die über kein Rechnungswesen verfügen, kennen aber oft nur ihre monatlichen Gesamtausgaben. In dieser Situation wird am besten zunächst eine Liste mit allen monatlichen Fixkosten erstellt, bevor man die Fixkosten berechnen kann. Dazu zählen meist Miete, Gehälter, Leasingraten, bestimmte Versicherungen, Telefon und Internet, Abschläge für Strom, Heizung, Wasser, Müll, etc. und der kalkulatorische Unternehmerlohn, soweit er für Zwecke der Lebenshaltung auch tatsächlich entnommen wird.

Manche Ausgaben fallen nur jährlich an, dazu gehören bestimmte Steuern, etwa die Grundsteuer und die Kfz-Steuer. Auch viele Versicherungen sind billiger, wenn sie jährlich beglichen werden.

Neben den Ausgaben müssen aber auch solche Kosten berücksichtigt werden, bei denen es sich nur um Aufwendungen handelt, die also nicht unmittelbar mit einem Mittelabfluss einhergehen. Zu dieser Gruppe zählen die Abschreibungen auf Vermögensgegenstände und der Teil des kalkulatorische Unternehmerlohns, der nicht bereits monatlich abgeschöpft wird. 

Beispiel:

Die freiberuflich tätige Informatikerin Anja Müller schafft sich im Februar 2018 einen neuen Rechner an und bezahlt dafür 5.000 Euro.

Betriebswirtschaftlich wäre es nun absurd, diese Kosten dem Monat 02/2018 zuzuschlagen, da der Rechner planmäßig drei Jahre genutzt werden soll. Auch im Rahmen der steuerlichen Gewinnermittlung müssen die Ausgaben über die planmäßige Nutzungsdauer verteilt werden. Das erfolgt mit Hilfe von Abschreibungen, die auch oft als AfA (Absetzung für Abnutzung) bezeichnet werden

Damit resultieren aus der Anschaffung des Rechners monatliche Fixkosten in Form von Abschreibungen in Höhe von 138,88 Euro (5.000 Euro : 36 Monate).

Da nicht nur die Kosten, sondern auch der Cash Flow, also die Liquidität gesteuert werden muss, macht es Sinn, bei der Aufstellung der Fixkosten zwischen Ausgaben und Aufwendungen zu unterscheiden, bevor man diese entsprechend berechnen kann.

Unternehmen mit komplexeren Geschäftsprozessen können ihre Fixkosten nur mit Hilfe klassischer Controlling-Maßnahmen berechnen. Dazu muss zumindest ein Basis-Kostenrechnungssystem implementiert werden. Das umfasst wenigstens die Identifikation von Kostenarten und die Einrichtung von Kostenstellen.

Im Zuge der Verbuchung der Geschäftsvorfälle werden diese dann nicht mehr nur einem Konto in der Finanzbuchhaltung, sondern auch einer Kostenstelle zugeordnet. Die Buchhaltungskonten werden wiederum den Kostenarten zugeordnet, so dass für jede Kostenstelle die Höhe und die Art der Kosten ermittelt werden kann

Wieso werden die Fixkosten bestimmt?

Die Identifikation und Berechnung der Fixkosten ist insbesondere für die Deckungsbeitragsrechnung und die Bestimmung der Gesamtrentabilität wichtig.

Definition Deckungsbeitrag

Der Deckungsbeitrag ist die Differenz zwischen den Gesamtkosten eines Produkts oder einer Leistung und den für die Herstellung anfallenden variablen Kosten. Die Bezeichnung Deckungsbeitrag rührt daher, dass diese Differenz für die Deckung der Fixkosten des Unternehmens zur Verfügung steht.

In der Praxis kommt häufig die Einstufige Deckungsbeitragsrechnung zum Einsatz, die auf den Stückdeckungsbeitrag abstellt. Das ist die Differenz zwischen dem Verkaufspreis und den variablen Stückkosten.

Formeln für die Deckungsbeitragsrechnung

Die Deckungsbeitragsrechnung beruht auf folgenden Formeln:

Der Gesamtdeckungsbeitrag (D) ergibt sich als die Summe der Erlöse (E), also der Umsätze, abzüglich aller variablen Kosten (KV).

D = E – KV

Der Stückdeckungsbeitrag (d) wird als Differenz zwischen dem Stückpreis (P) und den variablen Stückkosten (kv) ermittelt.

d = P – kv

Beispiel für eine einstufige Deckungsbeitragsrechnung:

Für unser Beispiel nehmen wir an, dass die Glückslimonaden GmbH drei unterschiedliche Softdrinks herstellt.

 

Kosten und Mengen /Jahr Limonade 1 Limonade 2 Limonade 3
       
Verkaufspreis (P) 2 1,80 1,00
variable Stückkosten (kV) 1,50 1,20 0,30
Stückdeckungsbeitrag (d) 0,50 0,60 0,70
Absatzmenge 10.000 12.000 20.000
Deckungsbeitrag je

Produktart (EUR)

5.000 6.000 14.000
Gesamtdeckungsbeitrag (D) 5.000 + 6.000 + 14.000 = 25.000
Fixkosten (Kf) 18.000
Überschuss 7.000

 

Im vorstehenden Beispiel wäre das Produkt 3 das rentabelste, obwohl es den geringsten Verkaufspreis realisiert, da es den höchsten Deckungsbeitrag pro Stück (d) und den höchsten Deckungsbeitrag je Produktart erzielt.

Das Unternehmen erwirtschaftet insgesamt einen Überschuss, da der Gesamtdeckungsbeitrag höher ist, als die Fixkosten.

Break-Even-Analyse

Wann ein Unternehmen insgesamt rentabel arbeitet, also die Gewinnzone erreicht, wird im Rahmen der Break-Even-Analyse untersucht.

Definition Break-Even-Point

Der Break-Even-Point (BEP), der auch als Gewinnschwelle bezeichnet wird, ist der Punkt bei dem die Erlöse eines Produkts oder einer Produktart gleich den Kosten sind.

Der Break-Even-Point wird nach folgender Formel berechnet:

BEP = Kf : (P – kV) = Kf : d

Der Break-Even-Point (BEP) ergibt sich also als Quotient aus den Fixkosten und dem Stückdeckungsbeitrag. Die Gewinnschwelle ist damit erreicht, wenn die fixen Stückkosten gleich dem Stückdeckungsbeitrag sind. 

Beispiel:

Für Limonade 3 aus den obigen Beispiel wird der BEP wie folgt berechnet:

BEP = Kf : d = 18.000 : 0,70 = 25.714,29

Das Unternehmen müsste also 26.715 Flaschen dieser Limonade verkaufen, um die Gewinnschwelle zu erreichen.

Soll das Produkt nur die anteiligen Fixkosten, im Beispiel also ein Drittel, erwirtschaften, greift die gleiche Formel, die Fixkosten werden dann aber nur anteilig angesetzt.

BEP = Kf3 : d = 6.000 : 0,70 = 8.571,42

Bei dieser Betrachtungsweise müsste das Unternehmen folglich 8.572 Flaschen von Limonade 3 verkaufen, damit das Produkt die Gewinnschwelle überschreitet.

Fixkostenmanagement – so kannst du deine Fixkosten reduzieren

Da die Fixkosten nicht mit dem Geschäftsaufkommen schwanken und auch dann anfallen, wenn ein Unternehmen gar keine Erlöse erzielt, können sie in umsatzschwachen Zeiten schnell in eine Krise führen und man sollte diese optimalerweise bereits zuvor reduzieren.

Unternehmen sollten diesen Kostenblock deshalb immer kritisch hinterfragen. Wie sich die Fixkosten am besten senken lassen, hängt dabei sehr stark von der Geschäftstätigkeit und den Geschäftsprozessen ab.

Folgende Tipps sollte aber jeder Unternehmer berücksichtigen:

  1. Identifikation der Fixkosten
    Steuern kann ein Unternehmer nur, was er kennt. Den ersten Schritt bei der Reduktion der Fixkosten stellet deshalb eine systematische Zusammenstellung aller Kosten an, die nicht von der Produktionsmenge abhängig sind.
  2. Identifikation der Kostentreiber
    Im nächsten Schritt müssen die Fixkosten bestimmt werden, die den Betrieb besonders stark belasten, um sie reduzieren zu können. Dabei ist nicht immer nur die Höhe entscheidend, sondern auch die Flexibilität. Ein Lkw kann beispielsweise sehr kostenintensiv sein, er lässt sich aber in aller Regel problemlos verkaufen. Der fest angestellte Fahrer kann dagegen oft nicht ohne weiteres entlassen werden.
  3. Alternativen prüfen
    Wenn die Kostentreiber identifiziert sind, müssen als nächstes Alternativen hierzu geprüft werden. Für unsere Limonadenherstellerin würde dies zum Beispiel bedeuten, dass sie abklärt, ob Logistikleistungen (teilweise) ausgelagert werden können und oder die Beschäftigung selbständiger Fahrer möglich ist.
    Auch bei Mitarbeitern in anderen Bereichen sollte immer geprüft werden, ob eine Festanstellung wirklich die optimale Lösung darstellt.
    Freiberufler und Leiharbeitnehmer sind zwar teurer, aber auch sehr viel flexibler einsetzbar. Verträge mit Personaldienstleistern haben nur sehr kurze Kündigungsfristen, Freiberufler sind noch flexibler und werden nur auf Abruf tätig. Bei einem Umsatzeinbruch können die Personalkosten so sofort an die geänderte Auftragslage angepasst werden.
  4. Realistische Ziele stecken
    Zunächst sollten nur zwei oder drei Kostenarten ausgewählt und realistische Ziele zum reduzieren dieser Kosten gesetzt werden. Andernfalls besteht die Gefahr, dass das gesamte Vorhaben an zu viel Ehrgeiz scheitert.
  5. Kostensteigerungen Vermeiden
    Wenn sich die Fixkosten schon nicht senken lassen, dann können aber oft zumindest Kostensteigerungen werden. Telekommunikationsunternehmen, Energieversorger und Versicherungen stehen im harten Wettbewerb. Hier muss deshalb regelmäßig überprüft werden, ob der eigene Vertragspartner tatsächlich noch das beste Preis-Leistungsverhältnis liefert.

Wenn die Miete jedes Jahr steigt, kann auch über einen Umzug nachgedacht werden. In zentraler Lage zu residieren ist zwar bequem, wirtschaftlich für viele Unternehmen aber gar nicht nötig.